{"id":2689,"date":"2018-04-20T14:40:47","date_gmt":"2018-04-20T13:40:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.equisense.com\/?p=2689"},"modified":"2021-07-02T14:01:14","modified_gmt":"2021-07-02T13:01:14","slug":"10-prinzipien-verhaltensforschung-reiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/10-prinzipien-verhaltensforschung-reiter\/","title":{"rendered":"10 Prinzipien der Verhaltensforschung, die jeder Reiter kennen sollte"},"content":{"rendered":"<p><i><span style=\"font-weight: 400;\">Du hast dich schon \u00f6fter gefragt, welche eigentlich die beste Methode ist, um deinem Pferd etwas Neues beizubringen? Dann solltest du diesen Artikel lesen, denn heute besch\u00e4ftigen wir uns mit dem Thema Lerntheorien.<\/span><\/i><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ich selbst habe das Konzept der Lerntheorien erst recht sp\u00e4t f\u00fcr mich entdeckt, aber es hat den Umgang mit meiner Stute grundlegend ver\u00e4ndert. Ich habe endlich verstanden, was in ihrem Kopf vor sich geht. Wenn man sein Pferd besser versteht und wei\u00df, warum es in einer Situation auf bestimmte Art und Weise reagiert, was seine Motive sind und warum es manchmal nicht versteht, was man von ihm will, kann man sein eigenes Verhalten anpassen, und so viele Probleme ganz einfach l\u00f6sen. Gleichzeitig kann man dieses Verst\u00e4ndnis aber auch dazu nutzen, seinem Pferd ganz einfach Neues beizubringen!<\/span><\/p>\n<div id=\"toc_container\" class=\"no_bullets\"><p class=\"toc_title\">Table des mati&egrave;res<\/p><ul class=\"toc_list\"><li><a href=\"#1-Was-hat-Reiten-mit-Verhaltensforschung-zu-tun\">1. Was hat Reiten mit Verhaltensforschung zu tun?<\/a><\/li><li><a href=\"#2-Operante-Konditionierung-das-Prinzip-der-Verstaerkung\">2. Operante Konditionierung: das Prinzip der Verst\u00e4rkung<\/a><\/li><li><a href=\"#3-Wie-sieht-es-mit-der-Bestrafung-aus\">3. Wie sieht es mit der Bestrafung aus?<\/a><\/li><li><a href=\"#4-Alles-eine-Frage-des-Timings\">4. Alles eine Frage des Timings<\/a><\/li><li><a href=\"#5-10-Prinzipien-der-Verhaltensforschung-die-jeder-Reiter-kennen-sollte\">5. 10 Prinzipien der Verhaltensforschung, die jeder Reiter kennen sollte<\/a><\/li><\/ul><\/div>\n<h2><span id=\"1-Was-hat-Reiten-mit-Verhaltensforschung-zu-tun\"><a name=\"chapitre 1\"><\/a>1. Was hat Reiten mit Verhaltensforschung zu tun?<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das ist nicht richtig, denn jeder Reiter sollte versuchen, das Verhalten seines Pferdes zu verstehen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Alles, was wir mit unseren Pferden machopeen, basiert auf Lerntheorien und das unabh\u00e4ngig von unserer Disziplin und dem Alter des Pferdes. Sei es das Andr\u00fccken der Schenkel, das F\u00fchren am Strick oder das Kommando, nach dem Hindernis nach links zu laufen. All dies basiert auf Lerntheorien und damit auch auf der Verhaltensforschung. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Selbst wenn du dein Pferd nicht selbst ausbildest oder du dich nicht f\u00fcr das Thema Verhaltensforschung interessierst: <\/span><b>Jeder Reiter sollte wissen, wie ein Pferd lernt und wie es versteht<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">. Nur so kann man pr\u00e4zise, effektive Hilfen geben und die richtigen Signale senden. Werden die Hilfen nicht korrekt gegeben, f\u00fchrt das Pferd nicht die gew\u00fcnschte Aktion aus und dann wird es schnell problematisch, denn oft wird das Pferd dann bestraft, obwohl es einfach nur nicht verstanden hat, was es tun soll. Dies kann dazu f\u00fchren, dass das Pferd \u00e4ngstlich oder aggressiv wird. \u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wir Reiter machen viele Fehler, aber oft wissen wir es noch nicht einmal! Wir wissen einfach nicht genug dar\u00fcber, wie Pferde funktionieren und wie sie lernen. Reiter sollten zu diesem Thema viel besser informiert sein, denn so lie\u00dfen sich viele Probleme und Missverst\u00e4ndnisse ganz einfach vermeiden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">All diejenigen, die der englischen Sprache m\u00e4chtig sind, sollten sich unbedingt dieses Video anschauen. Andy Booth demonstriert hier einige Prinzipien des Horsemanship, die jeden \u00fcberzeugen d\u00fcrften. <\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/7LayaaeRxzE?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<h2><span id=\"2-Operante-Konditionierung-das-Prinzip-der-Verstaerkung\"><a name=\"chapitre 2\"><\/a>2. Operante Konditionierung: das Prinzip der Verst\u00e4rkung<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Bei der operanten Konditionierung bringt man dem Pferd bei, eine oder mehrere Kommandos mit einer bestimmten Reaktion seinerseits in Verbindung zu bringen. Dabei gibt es zwei wesentliche Ans\u00e4tze: die <\/span><b>positive und die negative Verst\u00e4rkung<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">. \u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Positiv und negativ bedeutet in diesem Fall nicht gut oder schlecht, sondern das Hinzuf\u00fcgen bzw. Entfernen eines Reizes. Da Pferde nun mal nicht sprechen k\u00f6nnen (zumindest nicht wie wir Menschen), muss man ihnen eine <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">universelle\u201d Sprache beibringen, um ihnen verst\u00e4ndlich machen zu k\u00f6nnen, ob eine ihrer Aktionen gew\u00fcnscht ist oder eben nicht. \u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">M\u00f6chte man seinem Pferd etwas Neues beibringen, hat man also zwei M\u00f6glichkeiten: <\/span><\/p>\n<ul>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Man l\u00e4sst das Pferd eine Aktion durchf\u00fchren und gibt ihm dann eine Belohnung: <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e<\/span><\/i><i><span style=\"font-weight: 400;\">Wenn ich den Eimer umsto\u00dfe, liegt darunter eine Karotte: das ist gut! Das werde ich nochmal machen, vielleicht bekomme ich dann wieder eine Karotte.\u201d<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> \u2192 <\/span><b>positive Verst\u00e4rkung (ein angenehmer Reiz<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">, die Karotte, <\/span><b>wird hinzugef\u00fcgt) &#x1f955;&#x1f955;<\/b><\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Man m\u00f6chte, dass das Pferd eine Aktion durchf\u00fchrt und l\u00e4sst es so lange in einer ihm unangenehmen Situation, bis es die gew\u00fcnschte Aktion, die diese Situation aufl\u00f6st, umsetzt: <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e<\/span><\/i><i><span style=\"font-weight: 400;\">Es gef\u00e4llt mir nicht, wenn sie ihre Beine an mich dr\u00fcckt. Wenn ich antrabe, h\u00f6rt sie aber sofort damit auf: das ist gut!\u201d <\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u2192 <\/span><b>negative Verst\u00e4rkung (ein unangenehmer Reiz<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">, der Druck der Beine, <\/span><b>wird entfernt) <\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Daran sieht man, dass der klassische Reitsport quasi vollst\u00e4ndig auf dem <\/span><b>Prinzip der negativen Verst\u00e4rkung<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> basiert. Wir dr\u00fccken die Beine ans Pferd, wenn das Pferd vorw\u00e4rts gehen soll, wir erh\u00f6hen die Spannung auf den Z\u00fcgeln, wenn es anhalten soll, wir ziehen an der Longe, wir bringen Hilfsz\u00fcgel an\u00a0\u2026 Dabei kann die negative Verst\u00e4rkung beim Pferd Stress ausl\u00f6sen, da es manchmal nicht versteht, was von ihm erwartet wird. Tats\u00e4chlich trainieren wir andere Tierarten h\u00e4ufiger mithilfe positiver Verst\u00e4rkung, vor allem durch die Belohnung mit Futter, die in der Regel die effektivste Methode ist.<\/span><\/p>\n<figure style=\"width: 720px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/media.giphy.com\/media\/c1NU3tJVP6lJC\/giphy.gif\" alt=\"Ein Beispiel f\u00fcr die positive Verst\u00e4rkung beim Reiten - Pferd etwas Neues beibringen\" width=\"720\" height=\"404\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Ein Beispiel f\u00fcr die positive Verst\u00e4rkung<\/figcaption><\/figure>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dem Pferd k\u00f6nnte man mithilfe von Lerntheorien z.\u00a0B. beibringen, um eine Decke zu bitten, wenn ihm kalt ist!<\/span><\/p>\n<blockquote><p><i><span style=\"font-weight: 400;\">Mehr zum Thema:<\/span><\/i> <a href=\"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/decke-oder-nicht-was-meint-dein-pferd\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Will dein Pferd eine Decke oder nicht?<\/a><\/p><\/blockquote>\n<h2><span id=\"3-Wie-sieht-es-mit-der-Bestrafung-aus\"><a name=\"chapitre 3\"><\/a>3. Wie sieht es mit der Bestrafung aus?<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auch die Bestrafung ist Teil der operanten Konditionierung. Man bestraft das Pferd, wenn man die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pferd eine bestimmte Handlung wiederholt oder deren Intensit\u00e4t senken m\u00f6chte [2].<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Auch bei der Bestrafung unterscheidet man zwischen <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">positiv\u201d und <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">negativ\u201d:<\/span><\/p>\n<ul>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"font-weight: 400;\">Man enth\u00e4lt dem Pferd eine Belohnung vor, weil es sich nicht gut benimmt: <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e<\/span><\/i><i><span style=\"font-weight: 400;\">Wenn es Essenszeit ist und ich mit meinen Hufen scharre, dann geben sie mir nichts zu essen: das ist nicht gut.\u201d <\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u2192 <\/span><b>negative Bestrafung (ein angenehmer Reiz<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">, das Futter, <\/span><b>wird vorenthalten oder entzogen)<\/b><\/li>\n<li style=\"font-weight: 400;\"><span style=\"font-weight: 400;\">man setzt das Pferd einer ihm unangenehmen Situation aus, um ein unerw\u00fcnschtes Verhalten zu bestrafen: <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e<\/span><\/i><i><span style=\"font-weight: 400;\">Wenn ich schnappe, dann kriege ich einen Klaps auf die Nase, das ist nicht gut.\u201d <\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">\u2192 <\/span><b>positive Bestrafung (ein unangenehmer Reiz<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">, der Klaps, <\/span><b>wird hinzugef\u00fcgt) &#x270b;<\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das Problem bei der Bestrafung, vor allem der positiven, ist das <\/span><b>Timing<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">. Bringt das Pferd sein Verhalten nicht mit der Bestrafung in Verbindung, dann kann es nicht verstehen, warum es bestraft wurde. Die meisten von uns Reitern haben leider selten das richtige Timing. [1]<\/span><\/p>\n<h3>Das richtige Timing ist grundlegend<\/h3>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Ein klassisches Beispiel ist, wenn das Pferd ein Hindernis verweigert. Das Pferd bleibt stehen, der Reiter positioniert sich wieder richtig im Sattel, weil er etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist, galoppiert an \u2013 und bestraft dann das Pferd mit einem Gertenhieb. So geschieht das leider sehr h\u00e4ufig. Das Problem dabei: Das Pferd denkt, es sei f\u00fcr das Reagieren auf die Galopphilfe oder f\u00fcr das Zur\u00fcckkehren in einen ruhigen Zustand bestraft worden! Die Zeit zwischen der nicht erw\u00fcnschten Aktion, der Verweigerung, und der Reaktion, der Bestrafung, betr\u00e4gt mehrere Sekunden. Das ist zu lang. Das Pferd bringt diese beiden Ereignisse nicht mehr miteinander in Verbindung. Es versteht nicht, warum es bestraft wird, wodurch es wiederum gestresst reagiert. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">In diesem Fall ist es besser, <\/span><b>nicht mit Bestrafungen zu arbeiten<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Dabei bestrafen wir manchmal sogar, <\/span><b>ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind<\/b><span style=\"font-weight: 400;\">. Das ist z.\u00a0B. beim Springen der Fall, es wirkt oft auf eine Menge Druck auf das Pferdemaul. Das Pferd denkt, es wird f\u00fcrs Springen bestraft, daher will es dies logischerweise nicht wiederholen. <\/span><\/p>\n<blockquote><p>Interessant dazu: <a href=\"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/das-zuegelmass-und-die-harte-hand\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wie verbessere ich mein Z\u00fcgelma\u00df?<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">M\u00f6chte man trotzdem mit Bestrafung arbeiten, sollte man unbedingt auf das richtige Timing achten, man muss schnell genug sein und man muss sofort wieder Ruhe ausstrahlen, damit das Pferd keine Angst vor seinem Reiter entwickelt. Vor allem aber sollte das <\/span><b>Ausma\u00df der Bestrafung<\/b><span style=\"font-weight: 400;\"> angemessen sein. Hat man keine Zeit, das Pferd zu bestrafen, wie im Beispiel des Springreiters oben, dann ist es besser, gar nichts zu tun, das Hindernis erneut anzureiten und dann bei der Landung mit positiver Verst\u00e4rkung zu arbeiten (Kraulen am Widerrist, Stimmhilfe, Leckerli usw.). \u00a0<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_644\" aria-describedby=\"caption-attachment-644\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-644\" src=\"http:\/\/equisenseblog.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_3184-300x200.jpg\" alt=\"Positive Verst\u00e4rkung beim Pferd\" width=\"450\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.equisense.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_3184-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.equisense.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_3184-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.equisense.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_3184-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.equisense.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_3184-405x270.jpg 405w, https:\/\/blog.equisense.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_3184.jpg 1840w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-644\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Equisense<\/figcaption><\/figure>\n<h2><span id=\"4-Alles-eine-Frage-des-Timings\"><a name=\"chapitre 4\"><\/a>4. Alles eine Frage des Timings<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Sei es bei der Bestrafung oder wenn man seinem Pferd etwas Neues beibringen m\u00f6chte: der richtige Zeitpunkt ist entscheidend, denn <strong>zu sp\u00e4t ist zu sp\u00e4t<\/strong>. \u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Denn f\u00fcr jede Art der Verst\u00e4rkung gilt: <strong>Erfolgt sie nicht unmittelbar nach der Aktion des Pferdes, dann bringt es die beiden Ereignisse nicht korrekt miteinander in Verbindung<\/strong>. Es bringt \u00fcberhaupt nichts, das Pferd 40 Minuten nachdem es etwas ausgefressen hat zu tadeln. Ein weniger \u00fcbertriebenes Beispiel: Stell dir vor, du dr\u00fcckst deine Beine gegen den Bauch des Pferdes, damit es antrabt. Das Pferd trabt also wie gewollt an, aber der Schenkeldruck wird nicht sofort oder gar nicht aufgehoben. Es kann also nicht verstehen, ob sein Verhalten gut war oder nicht, und wei\u00df daher nicht, wie es beim n\u00e4chsten Mal reagieren soll. Das gleiche gilt f\u00fcr das Beispiel mit dem Eimer: Gibt man dem Pferd 2 Stunden nachdem es den Eimer umgesto\u00dfen hat seine Karotte, dann kann das Pferd keinen Zusammenhang zwischen diesen beiden Ereignissen erkennen. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">In der Theorie ist das nat\u00fcrlich alles sehr einleuchtend und logisch, auch wenn die Beispiele zu Veranschaulichungszwecken teilweise etwas \u00fcbertrieben sind. In der Praxis hingegen sieht das ganz anders aus. Viele Reiter halten das richtige Timing nicht ein und das noch nicht einmal mit Absicht. Wir dr\u00fccken die ganze Zeit unsere Beine gegen den Pferdebauch (wir l\u00f6sen die unangenehme Situation also nicht in dem Moment auf, in dem das Pferd die gew\u00fcnschte Reaktion zeigt), wir stupsen das Pferd bei jedem Schritt mit der Ferse an, ohne es \u00fcberhaupt zu merken, wir wirken zu viel mit unserem Sitz auf das Pferd ein, wir halten die Z\u00fcgel zu kurz und \u00fcben so einen konstanten Druck auf das Pferdemaul aus\u00a0\u2026 All das sind Beispiele f\u00fcr Gewohnheiten, die das Pferd und sein Lernverhalten beeinflussen, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind. Das Timing ist hier oft sehr schlecht, da wir bspw. den Schenkeldruck nicht sofort oder sogar \u00fcberhaupt nicht zur\u00fccknehmen, oder weil wir nicht schnell genug belohnen. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">W\u00fcrden wir unsere Beine konsequent jedes Mal vom Pferd l\u00f6sen, sobald es vorw\u00e4rts geht, w\u00fcrden unsere Pferde mit Sicherheit alle viel flei\u00dfiger laufen und sensibler auf die Schenkelhilfen reagieren.<\/span><\/p>\n<h2><span id=\"5-10-Prinzipien-der-Verhaltensforschung-die-jeder-Reiter-kennen-sollte\"><a name=\"chapitre 5\"><\/a>5. 10 Prinzipien der Verhaltensforschung, die jeder Reiter kennen sollte<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Zum Schluss die 10 wichtigsten Prinzipien der Lerntheorien nach ISES <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">(<\/span><\/i><a href=\"http:\/\/equitationscience.com\/\"><i><span style=\"font-weight: 400;\">International Society for Equitation Science<\/span><\/i><\/a><i><span style=\"font-weight: 400;\">).<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\"> Diese Grunds\u00e4tze wurden von Spezialisten etabliert und sollen unsere Trainingsmethoden verbessern, damit unsere Pferde gut ausgebildet und gehorsam sind, sich dabei aber gleichzeitig wohlf\u00fchlen [2]. \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<h4><b>#1 \u2013 Respektiere die Verhaltensmuster und die kognitiven F\u00e4higkeiten des Pferdes<\/b><\/h4>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die Natur des Pferdes nicht zu respektieren und es dazu bringen zu wollen, nat\u00fcrliche Verhaltensmuster abzustellen, l\u00f6st beim Pferd oft Stress aus und verhindert somit jegliche Lernvorg\u00e4nge. Dies ist sehr h\u00e4ufig der Fall bei Pferden, die isoliert gehalten werden und nie Kontakt zu ihren Artgenossen haben. Pferde, die als <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">nicht umg\u00e4nglich\u201d bezeichnet werden, sind in der Regel diejenigen, die isoliert gehalten werden. Das sind keine guten Bedingungen, um einem Pferd etwas beizubringen. \u00a0<\/span><\/p>\n<h4><b>#2 \u2013 Wende die Lerntheorien richtig an<\/b><\/h4>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Wende positive und negative Verst\u00e4rkung im richtigen Moment an und bestrafe das Tier nicht, wenn es nicht unbedingt n\u00f6tig ist.<\/span><\/p>\n<h4><b>#3 \u2013 Gib einfach zu verstehende und zu unterscheidende Signale<\/b><\/h4>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Stelle dir diese simplen Fragen: War mein Kommando eindeutig und unverwechselbar? H\u00e4tte mein Pferd es verstehen k\u00f6nnen? Habe ich eine korrekte Hilfe gegeben? Wenn das Pferd nicht das tut, was wir von ihm m\u00f6chten, dann liegt das meistens daran, dass es nicht verstanden hat, was es tun soll, und nicht, weil es eine Aktion nicht ausf\u00fchren m\u00f6chte.<\/span><\/p>\n<h4><b>#4 \u2013 Bringe Neues Schritt f\u00fcr Schritt bei<\/b><\/h4>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Alles zu seiner Zeit! <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e<\/span><\/i><i><span style=\"font-weight: 400;\">Viel fordern, mit wenig zufrieden sein, viel loben\u201d. <\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">M\u00f6chte man seinem Pferd z.\u00a0B. Traversalen beibringen, dann kann man nicht von ihm erwarten, dass es die Traversalen beim ersten Versuch perfekt umsetzt. Daher sollte man es bspw. bereits belohnen, wenn es Schritte in die richtige Richtung macht (wortw\u00f6rtlich) und seinen Kopf korrekt h\u00e4lt. <\/span><\/p>\n<h4><b>#5 \u2013 Sende nicht zu viele Signale auf einmal<\/b><\/h4>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Erh\u00e4lt das Pferd 10 Signale auf einmal, f\u00fchrt das zwangsl\u00e4ufig zu Verst\u00e4ndnisproblemen und einer Desensibilisierung. Man sollte besser ein Signal nach dem anderen senden, das macht es dem Pferd wesentlich einfacher, zu verstehen, was von ihm verlangt wird.<\/span><\/p>\n<h4><b>#6 \u2013 Lege eine Reaktion pro Signal fest<\/b><\/h4>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Jedem Signal sollte eine Reaktion zugeordnet sein. Wenn man die Z\u00fcgel annimmt und mal erwartet, dass das Pferd anh\u00e4lt, mal dass einen R\u00fcckw\u00e4rtssalto macht, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass es die gew\u00fcnschte Reaktion ausf\u00fchrt, nicht sehr hoch.<\/span><\/p>\n<h4><b>#7 \u2013 Verbinde Kommandos mit bestimmten Situationen<\/b><\/h4>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Die gleichen Signale m\u00fcssen immer am selben Ort, in der gleichen Position und im selben Kontext gesendet werden. Hat dein Pferd an der Longe gelernt, anzugaloppieren, wenn du das Wort <\/span><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Galopp\u201d sagst, dann kannst du trotzdem nicht die gleiche Reaktion erwarten, wenn es am Putzplatz angebunden ist. Vor allem sollte es in diesem Fall auf keinen Fall bestraft werden, wenn es die gew\u00fcnschte Aktion nicht umsetzt!<\/span><\/p>\n<h4><b>#8 \u2013 Arbeite dein Pferd mit der Impulsreitweise<\/b><\/h4>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das ist das Prinzip des Pferdes, das sich selbst tr\u00e4gt. Das Pferd soll autonom sein. Man soll nicht alle drei Sekunden die gleiche Hilfe geben, dadurch wird das Pferd nur desensibilisiert. \u00dcbt man mit den Schenkeln Druck auf das Pferd aus und es trabt an, dann soll das Pferd weiter traben, bis es aufgefordert wird, die Gangart zu wechseln. <\/span><\/p>\n<h4><b>#9 \u2013 Nutze den Fluchttrieb des Pferdes nicht aus<\/b><\/h4>\n<p><i><span style=\"font-weight: 400;\">\u201e<\/span><\/i><i><span style=\"font-weight: 400;\">Man sollte sich keiner Methoden bedienen, die beim Pferd absichtlich Angst ausl\u00f6sen, denn Angst wirkt sich negativ auf das Lernverm\u00f6gen und das Wohlergehen des Pferdes aus.\u201d<\/span><\/i><\/p>\n<h4><b>#10 \u2013 Arbeite nur mit dem Pferd, wenn es ruhig ist<\/b><\/h4>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Mit einem gestressten Pferd zu arbeiten bringt \u00fcberhaupt nichts, da das Pferd dann nicht differenzieren kann, was f\u00fcr es angenehm ist und was nicht. Ist das Pferd gestresst, ist auch das beste Training nicht wirklich effektiv. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Das sind also die 10 Prinzipien der Verhaltensforschung, die absolut jeder Reiter kennen und beherzigen sollte. Zeigt man dem Pferd nicht die richtige Reaktion im richtigen Moment, l\u00f6st das beim Tier oft Stress aus. \u00c4hnlich wie bei Kindern ist spielerisches Lernen sehr effektiv, es bringt nichts das Pferd unter Druck zu setzen.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_646\" aria-describedby=\"caption-attachment-646\" style=\"width: 450px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-646\" src=\"http:\/\/equisenseblog.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_5116-300x200.jpg\" alt=\"Momentaufnahme einer Freundschaft zwischen Mensch und Pferd \u00a9Equisense\" width=\"450\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.equisense.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_5116-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.equisense.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_5116-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.equisense.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_5116-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blog.equisense.com\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/IMG_5116-405x270.jpg 405w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-646\" class=\"wp-caption-text\">Momentaufnahme einer Freundschaft zwischen Mensch und Pferd \u00a9Equisense<\/figcaption><\/figure>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\">Bis zum n\u00e4chsten Artikel,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">Camille Saute,<br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">R&amp;D-Managerin bei Equisense<\/span><\/p>\n<h6><b>Quellen<\/b><\/h6>\n<h6><span style=\"font-weight: 400;\">[1] L. Lansade, M. Vidament, A. C. Grison, and H. Roche, \u201cPrincipes d\u2019apprentissage,\u201d <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">Equipaedia<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">, 2015. [Online]. Available: http:\/\/www.haras-nationaux.fr\/information\/accueil-equipaedia\/comportement-ethologie-bien-etre\/cheval-et-vie-domestique\/principes-dapprentissage.html. [Letzter Zugriff: 10. Juli 2017].<\/span><\/h6>\n<h6><span style=\"font-weight: 400;\">[2] A. N. McLean, P. D. McGreevy, and J. W. Christensen, \u201cPrinciples of Learning Theory in Equitation,\u201d <\/span><i><span style=\"font-weight: 400;\">International Society for Equitation Science<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400;\">. [Online]. Available: http:\/\/equitationscience.com\/equitation\/principles-of-learning-thoery-in-equitation. [Letzter Zugriff: 10. Juli 2017].<\/span><\/h6>\n<p>Weitere Informationen:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"O. Puls - Journ\u00e9e en \u00e9thologie \u00e9quine 2017 - Principes de l&#039;apprentissage et Red d&#039;Agemont\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/IXw4N6zUCP0?start=39&#038;feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Du hast dich schon \u00f6fter gefragt, welche eigentlich die beste Methode ist, um deinem Pferd&#8230;<\/p>\n<p class=\"read-more\"><a class=\"btn btn-default\" href=\"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/10-prinzipien-verhaltensforschung-reiter\/\">Weiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> Weiterlesen<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":9449,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0},"categories":[10378,10376],"tags":[3084,3083,3085],"yst_prominent_words":[3093,3061,580,3079,614,577,3056,3088,587,627],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2689"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2689"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2689\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29686,"href":"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2689\/revisions\/29686"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9449"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2689"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2689"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2689"},{"taxonomy":"yst_prominent_words","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.equisense.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/yst_prominent_words?post=2689"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}